Linha do Vouga

Espinho - Oliveira de Azemeis

Was dem Schmalspurbahnfan hier bevorsteht, ist ein Erlebnis vom Feinsten, und nicht ohne Absurditäten.

Blick aus dem Fenster auf das Meer von der Hauptstrecke Espinho - Aveiro

Abschied von der Hauptstrecke in Espinho

500 Meter weiter: der Kleinbahnhof Espinho

Anonyme Wohnblocks nebenan

Ausfahrt aus Espinho auf Meterspur

Und ab geht's in die Pampa.

Die erste Schranke

Kaum unterwegs, sind die Bahnhöfe in besserem Zustand.

Graffiti - von innen gesehen

Der Gegenzug

Die nächste Schrankenwärterin

Auf kurviger Strecke durchs Gelände

Und wieder eine Schrankenwärterin

Bahnhof im irgendwo:Villa da Feira

Einfahrt in Oliveira de Azemeis

Alter Triebwagen

Drehscheibe in Oliveira de Azemeis

Streckenfahrzeug deutscher Herkunft

Das andere Streckenfahrzeug, auch aus deutscher Produktion

Die Absurditäten beginnen beim Bahnhof Espinho im Norden der Strecke. Man steigt am modernen Bahnhof aus, und kein Schmalspurgleis ist in Sicht. Auch keinerlei Hinweisschild. Die Lösung: Man läuft 500 m die Hauptstrecke entlang und stößt auf ein vergammeltes und geschlossenes Bahnhofsgebäude, wo ohne weiteres Aufhebens, geschweige denn einer Ausschilderung, ein völlig von Graffiti verschmierter Triebwagen wartet. Hier soll wohl niemand mehr mitfahren. Taten auch nur zwei weitere Passagiere.

Und los ging die Fahrt. Ein Schaffner in Uniform waltete ernsthaft seines begrenzten Amtes. Das Gleis war in einigermaßen gepflegtem Zustand. Alle paar Kilometer kreuzten wir eine Schranke, von Schrankenwärterinnen per Handkurbel betätigt. In Vila da Feira warteten wir auf den Gegenzug, einem von ca. fünf Zugpaaren am Tag. In Oliveira de Azemeis war dann zunächst einmal Schluss.

Das Bahnhofsgebäude von Oliveira de Azemeis sah schon etwas besser aus, aber bis auf einen Dienstraum war es auch außer Betrieb. Ein alter, wesentlich formschönerer Triebwagen gammelte auf der alten Drehscheibe vor sich hin. Zwei gelbe Streckenwartungsfahrzeuge deutscher Herkunft standen bereit. Und jede Menge Bahnarbeiter sprangen herum. Ein Trupp von ihnen setzte sich in Richtung Süden in Bewegung. Das gelbe Wägelchen kam bald ohne sie wieder zurück. Dann durfte auch ich weiterfahren.

Oliveira de Azemeis - Sernada do Vouga

Mobiler Schrankenwärter in Aktion

Kleinbahn vor der Stilllegung?

Man könnte es fast meinen.

Haltepunkt mit dem einzigen weiteren Passagier. Er stieg hier aus.

Früher mal ein Knotenpunkt

Kaum in Sernada do Vouga angekommen, machten sich zwei Putzfrauen über den verschmierten Wagen her.

Schleife im Wald vor Sernada do Vouga. Wer sieht die Geleise im Wald?

Geräumige Lokschuppen in Sernada do Vouga

Wartungshalle in Sernada do Vouga

Das Gelände vor der Wartungshalle

Alter Triebwagen.

Hier steht einer auf der Drehscheibe.

Wassereinfüllstutzen. Für einen Dieseltriebwagen?

Exzessive Graffiti auf den heutigen Triebwagen

Bahnhofsausfahrt mit Präzisionsgeleisen

Nun kam der spannendste Teil des Tages. Nur zwei Zugpaare am Tag fahren über Sernada do Vouga nach Agueda.

Schon nach wenigen Minuten Fahrt trafen wir auf die abgesetzten Gleisbauer. Sie waren damit beschäftigt, morsche Holzschwellen freizuschaufeln.

Außer mir war nun fast niemand mehr im Zug, dafür war die Zugbesatzung auf drei angestiegen. Neben dem Fahrer und dem Schaffner reiste nun auch der mobile Schrankenwärter mit. Vor der nächsten Schranke hielt also der Zug an, der Mann sprang raus und kurbelte die Schranke runter. Der Zug fuhr drüber und hielt wieder an. Der Schrankenwärter kurbelte den Balken wieder hoch, sprang hinein, und weiter ging's bis zur nächsten Schranke.

Die Geleise waren nun ganz nach meinem Geschmack. Zwischen den Holzschwellen blühte die Vegetation, es war Kleinbahnromantik pur, kurz vor der Stilllegung. Man bekam fast ein schlechtes Gewissen, was für ein Aufwand für den einen einsamen Passagier getrieben wird. Was soll diese Strecke noch, außer Leute wie mich in Ekstase zu versetzen?

Nach einiger Zeit verließ die Strecke die typischen Dörfer und Streusiedlungen und tauchte in ein großes Waldgebiet ein. Dort begann nun ein spektakulärer Abstieg mit einer weiten Schleife und einem vor kurzer Zeit erst restauriertem Tunnel, und schon fuhr der Triebwagen nach Sernada do Vouga ein.

Hier beantwortete sich auch die Frage nach dem Sinn dieses Streckenabschnitts. Ich landete in einem gewaltigen Bahnebtriebswerk. Auch wenn hier kein Passagier mehr hinwill, es ist das Herz der Linha do Vouga. Ein riesiges Gleisnetz, gewaltige Hallen, abgestellte hübsche Triebwagen der älteren Bauart, wieder eine Drehscheibe, und auch hier wieder jede Menge Personal.

Zwei Stunden dauerte der Aufenthalt, dann erst fuhr einer der beiden täglichen Züge weiter nach Süden.

Sernada do Vouga - Aveiro

Gemeinsame Straßen- und Eisenbahnbrücke

Der Zug hat Vorfahrt.

Die Brücke: 1974 neu gebaut. Die portugiesische Demokratie ließ damals noch auf sich warten.

Ein Blick von der Brücke runter.

Hier erhält der Zug wieder sein eigenes Gleisbett.

Die Brückenwärterin waltet ihres Amtes.

Wo gibt es in Europa noch so schöne Geleise?

Kleinbahn im Olivenhain

Fährt hier wirklich noch ein Zug?

Die Geleise glänzen noch. Da muss wohl noch Betrieb sein.

Hier ist der Zug genau an dieser Stelle.

Das Eisenbahnmuseum. Geheimtip für Kenner!

Einfahrt nach Agueda

Jubiläumsplakette in Agueda

Kettenschranke

Einfahrt in Aveiro

Die Kleinbahn macht einen auf modern in Aveiro.

Graffiti auf der Abenteuerbahn im modernen Bahnhof von Aveiro. Abschied von einem absurden Kapitel heutiger Eisenbahngeschichte.

Direkt bei Sernada do Vouga überquert die Bahn eine kombinierte Straßen- und Eisenbahnbrücke, die erst 1974 an dieser Stelle neu gebaut wurde. Die anschließende Teilstrecke bis Agueda war immer noch göttlich. Kaum noch hielt sich der große Triebwagen auf den vergrasten Geleisen aufrecht.

Schon am ersten Haltepunkt eine große Überraschung. Hier besteht ein Museum der Linie! Ein alter Fahrzeugschuppen, und auf der Vorderseite eine Dampflok aus der Anfangszeit. Wie gerne wäre ich hier ausgestiegen, aber dies war der zweite von zwei Zügen am Tag, also keine Chance. Nächstes Mal also.

Nach einer genüsslichen halben Stunde erreichte der Zug nun Agueda. An der Wand des Bahnhofsgebäudes eine Plakette zum 75. Jubiläum der Teilstrecke Sernada - Aveiro 1911-1986.

Hier war zum ersten Mal etwas los. Der Zug füllte sich. Es sind von hier bis Aveiro sechs Zugpaare pro Tag, und auf ordentlichen Geleisen gelangten wir zurück zur Hauptstrecke in Aveiro. Unterwegs auch wieder Schranken, doch dieses Mal betätigt von "Kettenwärtern": Festes Personal spannt eine Kette über die Straße, und so kann der Zug passieren.

Der Bahnhof Aveiro ist besser organisiert als der von Espinho. Das Schmalspurgleis mündet auf einem eigenen modernen Bahnsteig im neugebauten Fernbahnhof dieser Stadt. Man ist zurück in der heutigen Welt.

Resümee

Die Linha do Vouga ist meines Erachtens extrem stilllegungsbedroht. Mit einem absurd hohen Personalaufwand wird über den größten Teil der Strecke ein Fahrbetrieb aufrechterhalten, der schlichtweg nicht mehr benötigt wird. Der Abschnitt nach Sernada do Vouga lässt sich isoliert kaum stilllegen, da dort das Bahnbetriebswerk liegt. Ohne es wird die Aufrechterhaltung des gut genützten Teilstücks von Agueda nach Aveiro technisch kaum möglich sein. Es wird zweifellos der Tag kommen, an dem der staatliche portugiesische Rechnungshof dieses Spiel nicht mehr mitmacht.

Deswegen der Tip an alle Leser: Mitfahren, so lange es die Strecke noch gibt!

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© Martin vom Ende 2009